Mittwoch, 28. Februar 2007

Karneval

Nachdem ich gestern eine Prüfung und heute den dazugehörigen mündlichen Test hatte, muss ich meinen blog mal wieder auf den neusten Stand bringen...

Vor zwei Wochen waren meine Patin und ich auf einer Faschingsparty in der deutschen Botschaft . Als quasi-Kölnerin hat sie mich dazu gebracht („gezwungen“ ist so ein „pöses“ :) Wort...), mir bei Tokyu Hands (ein Riesenkaufhaus/IKEA, wo es von Geschirr über Kosmetik bis Möbel so gut wie alles gibt) ein Kostüm zusammenzusuchen.

Kostümiert und gestylt könnt ihr euch mich ungefähr so vorstellen:
ganz in Weiß, eine riesige silberne Schleife um den Hals, acht Zentimeter lange silberne Wimpern und das ... ähm... „auffallenste“: die Haar zu einem Springbrunnen gebunden und weiße Weihnachtsbaumkugeln daran befestigt.

Ähm, ja, ich sah, sagen wir, „interessant“ aus.

Ich weiß auch nicht, wie ich mich so in die Öffentlichkeit gewagt habe, wo mir hier doch alles „aus-der-Menge-Herausragende“ ziemlich schnell peinlich ist.

Tja, zum Veranstaltungsort musste ich zwei Mal umsteigen, war also insgesamt an vier Bahnhöfen. Ich kann nur sagen, dass das seit meiner Ankunft hier die längsten dreißig Minuten waren. Was ich hier in Japan sehr angenehm finde, ist, dass man meistens nicht beachtet wird, man kümmert sich nur um sich und schaut andere Leute auch nicht direkt an, mehr durch sie „hindurch“.

Naja, in meinem Aufzug konnten selbst die Japaner nicht mehr wegschauen, es war sehr lustig, die verschiedenen Reaktionen zu sehen, manche haben sofort woanders hingeschaut und haben den Kopf dann unauffällig wieder gedreht und mich mit gesenkten Augen „betrachtet“, anderen war das Erstaunen ins Gesicht geschrieben, andere haben gegrinst und andere haben sich sicher gefragt, ob das ansteckend ist.

Es war eigentlich ganz lustig, aber ich war doch ziemlich erleichtert, endlich in der Botschaft anzukommen. Auf der Party wurde ich dann gefragt, als was ich denn verkleidet sein („Weiß“ natürlich, WAS für eine Frage *pah*).

Das Beste war, als mich eine Deutsche von meiner Schule anspracht „Ach, du gehst als Auster! Cool!“ Jaja, die glitzernde Weihnachtsdeko hat ihren Dienst getan...

Ach ja, ich habe leider versäumt, ein ... ähähm, Foto zu machen *räusper*. So ein Pech aber auch (...)

Seit letzter Woche haben wir Besuch: Linda ist so alt wie ich, studiert Jura in Berlin und macht ein sechswöchiges Praktikum in Tokyo.






Nachdem wir im Herbst auch für länger Besuch hatte, ist es wieder ganz nett, in einer „Dreier-Frauen-WG“ zu leben.

Sonntag, 25. Februar 2007

またね

みなさん、ちょっといそがしですから、今度の Blogbeitrag ちょっとまってね。

カタより



Donnerstag, 15. Februar 2007

Kultur, Sport und Freizeit - von allem ein bisschen...

Lang, lang ist’s her, und deshalb ist’s heut wieder mehr...

Nach fünf anstrengenden Schultagen gab es zur Belohnung ein langes Wochenende (zur Erinnerung: am 11. Februar 1966 wurde der japanische Staat gegründet).

Freitag Abend war ich in einem Nou-Theater, von dem ich mir habe sagen lassen, dass es sogar noch traditioneller als Kabuki ist.

Es war sehr interessant, die Schauspieler (nur Männer, wie gesagt, sehr traditionell) trugen schöne Kostüme, einige auch Masken, und es wurde gesungen und Taiko (japanische Trommeln) gespielt.





Wir hatten zwar eine Inhaltsangabe, aber da wir trotzdem kaum etwas verstanden, vertrieben wir uns die drei Stunden unter anderem mit Fotos machen. Dumm nur, dass das nicht erlaubt war. Ich behaupte, es lag an der Tatsache, dass entgegen sonstiger japanischer Gewohnheit nicht überall mit Bildern und in mindestens zwei Sprachen ermahnt wurde, keine Fotos zu machen, so dass wir nicht auf die Idee kamen, dass wir etwas Verbotenes tun.

In der Pause wurden wir dann in dreifacher Ausgabe daran erinnert, mehr oder weniger freundlich; wir haben wahrscheinlich wieder die Vorurteile, die Japaner gegenüber Ausländern haben, 100 prozentig bestätigt.

Am Samstag ging es dann nach Akihabara, wo ich mir einen Zaurus gekauft habe, ein elektronischer Organizer/Wörterbuch, mit dem man auch Filme anschauen und ins Internet kann. Nein, es war kein Frustkauf, so schlimm waren die Ermahnungen am Vorabend auch wieder nicht gewesen, ich hatte mir den Kauf gut überlegt und auch tatkräftige Beratungs- und Entscheidungshilfe (da ich mir mit letzterem sehr schwer tue, gibt es auch hierfür einen Daruma, ein weiterer Vorsatz für’s Wildschweinjahr).

Am Sonntag bin ich mit einer sehr netten deutsch-japanisch-gemischten Gruppe Wandern gegangen. Wir waren auf dem Takao-san, einem Berg unweit Tokyos, von dem man einen schönen Blick auf Tokyo hat.




Und das hier ist ein sehr berühmter Baum.



(ob die Baumöffnung eine tiefere religiöse Bedeutung hat, kann ich leider nicht sagen).

Bevor ich nach Tokyo gezogen bin, hatte ich keine Ahnung, wie wichtig die Natur für den Menschen ist. Ich bin zwar auch in einer mittelgroßen Stadt aufgewachsen, aber mit einer Millionenmetropole wie Tokyo ist das wie ein Dorf. Jeden Tag in eine volle U-Bahn (obwohl ich noch Glück habe, es gibt wahrlich vollerer Züge), Menschenmassen in den Bahnhöfen, den Straßen, den Kaufhäusern, kurz: überall, dann die Enge, die überwiegenden Farbe Grau und die nicht ganz frischen Luft - ab und zu muss man dem einfach „entfliehen“, am Besten, bevor man einen Kollaps oder Schreianfall bekommt.

Dieser eine Tag an der frischen Luft ist wirklich erholsam. Umso größer ist dann der Schock, wenn man in die „Zivilisation“ zurückkehrt – Umsteigen in Shinjuku.

Man könnte fast meinen, dass die ganze Erholung und Ausgeglichenheit in Null Komma Nichts von Staunen und Verwirrung in Ärger oder Resignation übergehen, aber man hat ja gelernt, die schönen Dinge zu schätzen und sich nicht gleich frustrieren zu lassen :).





Dank der erwähnten Staatsgründung war der Montag ein Feiertag den Lars und ich nutzen, um nach Odaiba zu fahren.









Odaiba (O = Höflichkeitspräfix, daiba = „Festung“) besteht aus künstlich aufgeschütteten Inseln vor dem Tokyoter Hafen, die man über die Rainbow Bridge erreicht. Sie dient heute vor allem zur Erholung und Entspannung: es gibt einen Strand, an dem man Beachvolleyball spielen kann und einige kleine Parks.



Und da Erholung in Japan meistens mit Konsumieren und Einkaufen in Verbindung steht, dürfen mehrere große Kaufhäuser und Shoppingmalls natürlich nicht fehlen. Auch nicht zu vergessen die verkleinerte Kopie der Freiheitsstatue (mit dem Rücken zur Stadt, damit man auch schöne Fotos machen kann...).



Odaiba könnte wirklich ein toller Freizeitort sein – wäre da nicht das zwanghafte Verlangen der Japaner (ja, Vorurteil, aber es ist was wahres dran), überall ihre Vorschriften und Regeln aufzuhängen:



Ja, alles was Spaß macht, ist verboten. Und da zweisprachig, kann man sie auch nicht ignorieren und behaupten, man hätte sie nicht lesen können...

Wie auch zur Weihnachtszeit waren in den letzten zwei Wochen wieder alle Schaufenster dekoriert – mit Herzen und Blumen. Auch Valentinstag wird hier groß gefeiert (Globalisierung lässt grüßen), wenn auch ein wenig anders als bei uns: am 14. Februar schenken die Frauen den Männern (meist schwarze) Schokolade. Vier Wochen später, am „White Day“, sind dann die Männer dran, den Frauen weiße Schokolade zu schenken.

Eure Katha

Mittwoch, 7. Februar 2007

ich sag nur: Kyoto-Protokoll

Gleich zu Beginn möchte ich nach alter MUN-Tradition eine Schweigeminute einlegen, die dem Klimawandel gewidmet sein soll:

Wie auch in Deutschland ist der Winter hier in Japan viel zu warm.

Auf Hokkaidō, der Insel nördlich der „Zentralinsel“ Honshū, war sogar das jährliche Schneefest, das Sapporp Snow Festival, gefährdet, zu dem Figuren aus Eis geschnitzt werden. Es wurde Schnee von den Bergen herangeschafft. Ob das berühmte eisschnitzen trotzdem stattfinden konnte, weiss ich nicht.



Hier fangen schon die ersten Blumen an zu blühen, obwohl die Kirschblütenzeit erst Ende März, Anfang April ist. Aber so bekommt ihr wenigstens ein paar schöne Bilder zu sehen...













Letzte Woche war ich mit zwei Deutschen aus meiner Schule bei einem bekannten Tempel (den Namen habe ich vergessen), zu dem vor und während der Prüfungszeit die ganzen Schüler/-innen und Studenten/-innen tigern und für gute Prüfungsergebisse beten.

In meinem Fall war ich eine Woche zu spät, meine Prüfung war schon vorbei, aber da wir, wie wir später merkten, sowieso beim falschen Tempel gewesen waren, ist das nicht so schlimm, dann vor der nächsten Prüfung...

Doch auch bei diesem Tempel kann man seine Wünsche auf eine Holzplatte schreiben und aufhängen.



Bei einem kleinen Schrein in der Nähe meiner Kalligraphieklasse habe ich vor zwei Tagen
zwei Daruma gekauft.

Eigentlich kauft man sie an Silvester, bei dem kleinen Schrein, an dem ich Neujahr war, gab es leider keine zu kaufen. Da ich so spät dran war, hat der Japaner sie mir billiger verkauft. Ich hoffe, das gefährdet nicht meine guten Vorsätze: für jeden Daruma nimmt man sich etwas bestimmtes vor (in meinem Fall zum Beispiel, dass ich mich für ein Studienfach entscheide) und je nachdem, wie gross oder schwer die Durchführung ist, ist der Daruma größer oder kleiner.



Manche Firmen stellen einen ein Meter grossen Daruma auf, der das Firmenziel verkörpert.

Hat man sich etwas vorgenommen, wird ein Auge angemalt (Männer das linke, Frauen das rechte, warum, weiß ich auch nicht) und erst wenn man seinen Vorsatz umgesetzt hat, darf man das andere Auge ausmalen.

Die alten Daruma von letztem Jahr werden, wenn beide Augen schwarz sind, gesammelt und verbrannt. Normalerweise sind die Daruma rot, doch wenn es um die Ausbildung oder Prüfungen geht, sind sie weiß.

Viele liebe Grüße, vor allem an alle Prüfungsgestressten. Schreibt mir ruhig, wenn ich ein Holzplättchen für euch aufhängen soll...