Samstag, 27. Januar 2007

Rücksichtsnahme

Ein ganz wichtiger Punkt im japanischen Zusammenleben ist, dass man Rücksicht aufeinander nimmt. Amen.
Und da ich durch meine Größe, meine Haar- und Augenfarbe schon genug auffalle, versuche ich so gut es geht, mich anzupassen. Ich würde mich folglich niemals trauen, ohne Schutz die Wohnung zu verlassen und meine Bakterien in der ganzen Metropole zu verteilen. Für den (in Japan sowieso äußerst seltenen) Fall einer Krankheit, gibt es diese tollen Gesichtsmasken:



Sie schützen nicht nur andere davor, sich anzustecken, sondern schützen auch den Träger/die Trägerin.
Auf dem Weg zur Videothek bin ich vorsorglich nicht an der kleinen Polizeistation in der nächsten Straße vorbeigegangen, sie hätten mich bei meinem Anblick (meine gestreifte Joggingmütze erinnert doch sehr an einen Banküberfall) wahrscheinlich sofort festgenommen.
Also dann, jetzt wird ferngeschaut...

Freitag, 26. Januar 2007

Gesundheitsbewusstsein

Um an den vorvorletzten Eintrag und meinen doch recht emotionalen Gefühlsausbruch, was die Preise in Japan angeht, anzuknüpfen:

„Ich gelobe hiermit bei allen leckeren Kitkat-Sorten, dass ich mich in der Öffentlichkeit (sprich: auf meinem blog) nicht mehr negativ über die Nahrungsmittelpreise in Tokyo/Japan beschweren werde.“

Ich habe mich über einen Apfel für 198 Yen aufgeregt? Pah, das ist nichts im Vergleich zu diesem stolzen Früchtchen: Einer dieser wunderschönen, makellosen, vollendet runden, schimmernd-polierten, vom Fuji-san stammenden und natürlich schützend verpackten Äpfel kostet 1050 Yen (nach dem heutigen Umrechnungskurs sind das 6,688 Euro) !!!







Dafür kriegt man in Japan zweieinhalb leckere Sobasuppen, anderthalb Set-Menüs, zwei Mal zwei Lautsprecher aus Akihabara oder acht „Nahrungsmittel-Ergänzungs-Tütchen“:





Ich habe keine Ahnung, wie Japaner/-innen dieses Etwas nennen. „Raumfahrernahrung“ trifft es wohl am besten.

Der Inhaltes ist sehr gewöhnungsbedürftigt, da es sich um eine geléeartige Masse handelt, glibberig und oft mit kleinen Stückchen versetzt (das betont die Natürlichkeit der Konstanz).

Es besteht aus einer glänzenden Aluminiumverpackung, deren Aufschrift (in Katakana und Romaji) uns wohl ein schlechtes Gewissen machen will, indem sie uns daran erinnert, dass unser Körper PROTEIN! VITAMIN A! AMINO COLLAGEN! MAGNESIUM! benötigt.

Ob es davon gleich eine zweihundert Gramm Ladung sein muss, kann ich nicht beurteilen, aber da die „Raumfahrernahrung“ kaum Kalorien hat und nach dem ersten Schluck/Bissen sogar richtig gut schmeckt, habe ich meine Zweifel mal vergessen und mir gleich drei dieser super gesunden Packungen gekauft (anstatt zweier normaler Äpfel).






Ich kann nicht behaupten, dass sich meine Erkältung dank der Multivitamine verbessert hätte, aber wahrscheinlich muss mein Körper die ganzen guten Dinge erst aufnehmen, das braucht eben seine Zeit...

Auch dies war „etwas japanisches“, was ich anfangs argwöhnisch, mit einer Spur Misstrauen und leicht abwertend gesehen habe (wie auch das etwas kindlich-naive, auf alles süße sich stürzende Gebären der Japanerinnen, was ich mittlerweile selber schon nachahme, in gewissem Grad zumindest).

Aber mittlerweile ist hier vieles normal geworden, zwar leuchtet mir immer noch so manches nicht ein, aber ich sehe auch die Vorteile dieser Art des Zusammenlebens hier.

Aber davon ein andermal...

Donnerstag, 25. Januar 2007

Hobbies

Hallihallo!

Das schwierigste an einem neuen Blogeintrag ist immer der Aufhänger oder der erste Satz. Ich habe diesmal beschlossen, ganz kreativ zu sein...
Ich möchte jedoch gleich zu Beginn betonen, dass ich folgenden Text in einem Fieberwahn geschrieben habe und jedwege Verantwortung für einen möglichen psychischen/physischen/kulturellen Schock, die die Leserschaft erleiden könnte, strikt ablehne.
Überlegt euch also, ob ihr das Risiko auf euch nehmen wollt...

Wie gesagt, ich habe versucht, mein kreative Gehirnhälfte (die rechte?) zu aktivieren, die aber leider so verschleimt ist (entschuldigt die Wortwahl), dass das Ergebnis etwas mickrig ist.

Als ich ein kurzes Brainstorming machte (jaja, so einen Blogbeitrag zu schreiben ist richtige Arbeit...), fiel mir auf, dass alle Themen dem Buchstaben K anfangen, das muss für heute reichen.
Also, überlegt euch lieber, ob ihr wirklich weiterlesen wollt, es wird sicher nicht besser...


Kindertag: am Sonntag habe ich bei einem Kindertag etwas ausserhalb Tokyos geholfen. Organisiert wurde es von NOTS, einer NPO, und das Ziel war, japanischen Kindern Kontakt mit gaikokujins, also Ausländern, in unserem Fall Deutschen, zu ermöglichen und ihnen die deutsche Kultur/deutsche Bräuche etwas näher zu bringen.
Wir haben mit den etwa 50 Kindern Spiele wie „Papier, Stein, Schere“ oder Kettenfange gespielt. Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt:






Hier wird den Kindern gerade erklärt, wie man Brotteig macht. Ausserdem haben wir (ich zum ersten Mal) Bratäpfel gemacht. Beides „typisch deutsch“ und sehr lecker.
Auch wenn ich nur einen Bruchteil von dem verstanden, was die Kinder gesagt haben (was unter anderem daran liegt, dass ich in der Schule nur in der höflichen Sprachform rede, die Kinder aber natürlich die Duz-Form benutzen), war es sehr lustig und eine schöne Abwechslung in meinem sonstigen Alltag.







Abends war ich mit drei anderen deutschen „Helferinnen“ in Shimokitazawa, einem netten Ausgehviertel, Essen.
Auch ein japanisches Motto: „Das Auge isst mit.“







Kalligraphie: zwei Mal im Monat habe ich Montags einen Kalligraphiekurs. Er findet neben einem Tempel statt und ich bin dort die einzige Nicht-Japanerin. Die meisten Frauen (ausser dem sensei, dem Lehrer, nehmen nur Frauen teil) sind schon etwas älter und machen wahrscheinlich schon ihr ganzes Leben lang Kalligraphie (ganz nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“, wenn Japaner etwas machen, dann richtig und perfekt).






Die Fortgeschrittenen (also ab mehreren Jahren) beschreiben nicht mehr kleine, sondern zwei bis drei Meter lange Papierstreifen, die dann wie Wäsche zum Trocknen aufgehängt werden, bevor der Lehrer sie sich anschaut. Wenn der sensei sich die Arbeiten anschaut und sein Urteil abgibt, kommen immer viele andere Frauen dazu um auch etwas zu lernen. Der sensei hat einen kleinen Laserstrahl, mit dem er dann auf besondere Stellen zeigt. Korrigiert er kleinere Werke, malt er mit orangener Tinte in das Kanji hinein: ein Kreis/eine Spirale wenn es gut/perfekt ist, oder den Strick, wo und wie er eigentlich sein sollte. Als er in meiner ersten Stunde in mein mühsam zustande gebrachtes Kanji „kritzelte“, hatte ich erst einmal ein Deja vu an Sr. Sigmunda. Doch (schon wieder ein Motto): „Der Weg ist das Ziel.“






Auf diesem Foto seht ihr den kleinen Tisch mit der Filzdecke, der Behälter mit der verdünnten Tinte (man sieht an dem „auslaufen“ der Striche, dass ich zuwenig Wasser hineingemischt hatte), den Pinsel und zwei Blätter Pergament. Links ist meine „Vorlage“, also das, was der sensei mit vorgezeichnet hat. Was er extra für mich macht: mit orangender Tinte setzt er noch kleine Zahlen dorthin, wo man für den Strich ansetzt, damit ich die Strichfolge einhalte. Ich finde das total süß, es ist nicht wirklich nötig, da ich ihn ja das Kanji zeichnen sehe und die Regeln der Stichfolge kenne, aber er ist schließlich der sensei und macht seinen Job so gut er kann.

Um noch mehr japanische Kultur zu „erfahren“ möchte ich einen japanischen Kampfsport anfangen. Bis jetzt kam nur Aikido in Frage, aber ich habe neulich eine Kendoklasse gesehen und das hat mich auch ziemlich fasziniert. Aber für zwei neue Sportarten habe ich leider nicht genug Zeit, also muss ich mich entscheiden: Kendo oder Aikido.








K
itschig? mal wieder ein Foto von meiner Zimmeraussicht: Bürogebäude und Halbmond.










So, und zum Abschluss noch eine weitere überlebenswichtige Vokabel:
ich dachte, da wir mit sentakuki und leizouko schon bei den Küchengeräten sind, machen wir doch mit der Mikrowelle weiter.

Denshilenchi sagt gute Nacht!

Dienstag, 16. Januar 2007

japanisches Fußball

Sollte ich bis gestern vergessen haben, dass ich im Moment in Japan lebe, wurde ich letzte Nacht freundlicherweise von Mutter Natur daran erinnert: um halb vier nachts hat mich, nicht auf die sanfteste Art, ein Erdbeben der gefühlten Stärke 5/6 geweckt.
Seit einem Schulausflug ins Erdbeben-Aufklärungszentrum und dem Besuch im Erdbeben-Museum in Kobe bin ich nicht mehr allzu scharf darauf, ein „richtiges“ Erdbeben zu erleben. Da unser Haus ziemlich neu ist, ist es nach dem allerneusten Stand gebaut und normalerweise spürt man die kleineren Beben nicht. Doch die stärkeren spüren wir es umso mehr, da wir im 12. Stock (in Japan ist das Erdgeschoss der 1. Stock, also eigentlich der 11.) wohnen und ganze Gebäude hin und her schaukelt (wie diese Hunde, die man sich vorne oder hinten ins Auto setzen kann).

So, jetzt aber genug von meinen traumatischen Erfahrungen, ich wollte eigentlich von ganz anderen Dingen erzählen...
Ich hatte ein sehr schönes Wochenende, an dem Sport und Kultur optimal kombiniert wurden...





Samstag war ich mit Raik, der auch den Sprachkurs in Bochum gemacht hat, in einer Halle ganz in der Nähe von mir klettern. Es hat echt Spass gemacht und da mein Muskelkater langsam nachlässt, werde ich jetzt wohl öfters gehen.





Um beim Sport zu bleiben (muss ja nicht aktiv sein) war ich am Sonntag beim „dicke-Männer-in-Windeln-die-sich-gegenseitig-aus-dem-Ring-drängeln-Wettkampf“, besser bekannt unter dem Namen „Sumo“.

Es war wirklich super!

Unsere Plätze waren zwar ganz hinten/oben, doch man konnte immer noch gut sehen und es war erlaubt, weiter nach vorne zu gehen um Fotos zu machen.








Pro Jahr gibt es sechs Wettkämpfe (drei davon in Tokyo), die jeweils fünfzehn Tage dauern (wir waren am achten Tag). Jeder Sumoringer hat pro Tag einen Wettkampf, er muss also mindestens acht gewinnen, um nicht heruntergestuft zu werden.



Die Kämpfe beginnen gegen neun Uhr morgens mit den unteren Klassen. Die berühmtesten und besten Kämpfer kommen erst gegen siebzehn Uhr, und die Kämpfer der höheren Klassen stellen sich zur Begrüßung der Zuschauer/-innen im Kreis auf.







Die Kämpfe werden interessantester und schneller, die Halle ist voller, die Menge fiebert mit wie bei einem Fussballspiel. Kurz vor achtzehn Uhr findet der Kampf zwischen den besten zwei Sumo statt, am Sonntag waren das Kisenosato, ein Japaner, und Asashoryo, der augenblickliche Yokozuna (Champrion), ein Mongole. Ich war natürlich für den Japaner, aber der Mongole ist einfach zu gut.





Der Wettkampf läuft so ab, dass die beiden Kämpfer, nur mit dem Lendenschurz (die übrigens mindestens 2 Millionen Yen, circa 1400 Euro, kosten) bekleidet und mit dem typischen Haarknoten (jeder Stall, so heißen die „Clubs“, in denen jeder Sumo wie in einer Familie lebt und trainiert, hat seinen eigenen Friseur), hui, was für ein Bandwurmsatz, jedenfalls kommen die beiden Sumo in den Ring, verbeugen sich voreinander (Auf einen fairen Kampf!), heben beide Beine so hoch sie können (also nacheinander) und warten auf das Startsignal des Schiedsrichters. In den oberen Klassen wird auch Salz geworfen (zur Reinigung) und Kraftwasser getrunken. Und natürlich darf auch die Werbung nicht fehlen (eben wie beim Fußball), pro Plakat gibt es etwa 200 Euro für den, der im darauffolgenden Kampf gewinnt.




Während der Begrüßungszeremonie fegen noch ein oder zwei Männer den Sand außerhalb des Kreises, damit man auch gut erkennt, wenn einer aus dem Ring herausgetreten ist.
Verloren hat, wer entweder den boden ausserhalb des Ringes „verlässt“ oder den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt (Haare miteingeschlossen).
Es war wirklich interessant und für alle, die mal nach Japan wollen, ein unbedingtes Muss.



Ach ja, hier sieht man einen Sumoringer, der ziemlich gut sein muss, weil er zwei Diener (Kämpfer aus niedrigeren Klassen) hat, die ihm seine Sachen nachtragen. Naja, vielleicht überlege ich es mir mit der Uni doch noch mal, Frauensumo gibt es schließlich auch... :)


Sonst hat mich der Schulalltag wieder eingeholt, ich muss sehr viel lernen, kämpfe weiter mit Kanji, kann aber mittlerweile so viel Japanisch, dass ich die Spülmaschine verstehe (nichts beeindruckendes, nur, wie lange der Waschgang dauert und dass sie jetzt mit Trocknen anfängt etc).

Mein neues Lieblingswort (nach „leizouko“ (sprich: leezooko) – Kühlschrank, „sentakuki“ – Waschmaschine, „achikochi“ – überall) ist gomi shuushuushya (der Müllwagen, eine überlebenswichtige Vokabel :) ).

Liebe Grüße,
Katha

Freitag, 12. Januar 2007

Gedanke für den Tag

Zugegeben, in Tokyo kann man eigentlich für relativ wenig Geld gesund und lecker essen, aber an die Obst- und Gemüsepreise habe ich mich immer noch nicht gewöhnt:
in einem normalen Konbini (convenience store) zahlt man für drei (normale) Bananen 200 Yen (€1,40), ich habe heute einen Apfel für 198 Yen erstanden. Ich hätte auch einen größeren, schöneren für 398 Yen bekommen.
Ich glaube nicht, dass das nur an der Großstadt liegt (in Kyoto gab es sieben Bananen für 105 Yen, also 70 Cent!).

Aber wie in vielen anderen Dingen auch sind Japaner auch was ihr Obst und Gemüse betrifft Perfektionisten: alle Äpfel müssen exakt die gleiche Größe haben. Das könnte ein gutes Motto sein: Fallt bloß nicht auf, Individualisten werden aussortiert. (net böse gemeint)

Haben sie dieses Auswahlverfahren durchlaufen, werden die glücklich auserwählten mit einer Plastikhülle umschweißt und bekommen, damit sie ja keine Macken bekommen, eine weiße „Hose“, naja, eher einen Rock, keine Ahnung, wie man das nennt, schaut selber:






















Ich habe meinen sündhaft teuren Apfel also genüsslich verzehrt.
So, dass war meine Andacht für den Tag.

Also, Leute, esst Obst und kauft auch die veformten Äpfel, sie können ja nichts dafür :)

Habt ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 10. Januar 2007

Term II hat begonnen

Uff,

was für ein Tag!
Nach dreieinhalb Wochen war heute wieder der erste Tag, an dem ich es geschafft habe (leider nicht wirklich freiwillig), vor neun aufzustehen. Wir wurden in neue Klassen gemixt, ich bin jetzt in B1, also in einer höheren Klasse (*puh*).
Aber ich bin auch ganz froh, wieder einen geregelteren Alltag zu haben, ich bin schließlich nicht zum Faulenzen hier :-)

Das hier ist übrigens meine Schule (zumindest eines der drei Gebäude).






So, mein Tag ist schon wieder zu Ende.

Gute Nacht!

Montag, 8. Januar 2007

Omedetou....

(= Herzlichen Glückwunsch) ... an all diejenigen, die letztes Jahr 20 Jahre alt geworden sind!
In Japan seid ihr jetzt offiziell volljährig und werdet aus diesem Grund heute, dem Tag des Erwachsenen (seijin no hi) gefeiert.
Viele Japanerinnen tragen an diesem Tag einen Kimono, ich habe leider keine gesehen, aber da ich heute auch nur zum Joggen draußen war, hatte ich sowieso keine Kamera dabei...

Also nochmal Glückwunsch - wir dürfen uns besaufen :)

Campai und bis bald,
Katha

Freitag, 5. Januar 2007

Tüfftlerparadies "Akiba"

Vor einigen Tagen waren Lars und ich in Akihabara, einem sehr bekannten Elektroviertel von Tokyo, in dem man alles kaufen kann, von Fernsehern, Kameras und Computerspielen bis zu Kabeln, Steckern und Ersatzteilen. Es gibt dort übrigens auch die tollen Leuchtstäbe, die die Verkehrspolizisten immer haben, um nichtsahnende Passanten davor zu bewahren, in eine Baustelle zu laufen.
Ich war auf der Suche nach einem „Zaurus-Taschen-Computer-Wörtebuch-mit-dem-man-wahrscheinlich-noch-tausend-andere-Sachen-machen-kann“, habe mich dann aber erst mal mit einer neuen Speicherkarte fuer meine Kamera und Lautspechern begnügt.
Besonders...ähm... „interessant“ fanden Lars und ich folgende Plakate:





Ich hoffe, ich bekomme keine Schwierigkeiten, weil ich so etwas auf meinem blog veröffentliche. Ich fand die Kombination einfach nur sehr lustig.


So, was werde ich heute, an einem meiner letzten Ferientage, machen? Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich heute keinen Fuji-san, sondern nur Grau. Das liegt zum einen daran, dass 95% der umliegenden Gebäude in dieser umwerfend trendigen Farbe gestrichen wurden, zum anderen an dem strömenden Regen. Das Wetter ist hier eine Sache für sich, wenn es mal regnet, dann gleich für mindestens zwanzig Stunden.


Ich werd mir jetzt erst mal einen Tee machen (grünen natürlich :) ) und mir dann mal die japanische Fernsehzeitschrift vornehmen.


Ach ja, es gibt schon wieder eine neue KitKat-Sorte: Nach weißer und Bitterschokolade, gefolgt von Bohnen- und Erdbeergeschmack kann man jetzt auch Kirsch-KitKat kaufen, etwas zu früh für Sakura, die Blütenschau, aber rosa passt ja immer...




Bye, Katha

learning by doing: raus in die (japanische) Welt

Hallo!

So, es ist jetzt wohl an der Zeit, ein paar „Nacheintraege“ zu machen, schliesslich faengt naechste Woche wieder der Alltag an und da passiert normalerweise nichts, was einem vom Hocker reissen koennte. Nicht, dass meine Ferien vollgestopft mit nennenswerten Ereignissen waren, aber ein paar lustige Sachen sind doch passiert.

Meine ersten Ferien in Japan habe ich zum Reisen genutzt. In der Woche vor Weihnachten (auf japanglisch „kurisumasu“) war ich mit Franzi, einer Schulfreundin, in Nagano und Matsumoto.

In Nagano haben wir einen sehr schoener Tempel (einen von wahrscheinlich mehreren Tausenden) und eine Ausstellung von dem Maler Kaii Higashiyama angeschaut (ein bisschen Bildung muss schliesslich auch in den Ferien sein).

Aber das meiste ueber die japanische Kultur (und Gebraeuche) habe ich wahrscheinlich in unserem Hotel kennengelernt: da sehr preisguenstig und zentral gelegen haben wir uns in einem Businesshotel eingemietet. Das wurde mir dann auch wieder klar, als ich am ersten Abend nichtsahnend den Fernseher anschaltetet und einen wirklich heftigen Porno zu sehen bekam. Nicht, dass ich jemals Pornos gesehen haettet (ich muss das schreiben, schliesslich liest das wahrscheinlich auch meine Mutter :) ) nein, im Ernst, das war wirklich schlimm. Naja, so sind sie halt, die lieben Japaner (ich lasse hier bewusst die weibliche Form weg), im Tageslicht immer hoeflich und zurueckhaltend, aber wenn es dunkel wird – oho!


Zurueck zum Thema: In Matsumoto haben wir in einem netten Ryokan (japanisches Gaestehaus) gewohnt, mit beheizbaren Futons und Onzen und einem suessen Ehepaar, das uns total verwoehnt hat. Natuerlich durfte auch hier die Bildung nicht fehlen und wir haben eine Burg, die mit drei anderen Burgen zum japanischen Nationalschatz gehoert, besichtigt.




Ach ja, zwischendurch waren wir auch in Obuse (auch ein beruehmter Schrein) und waren dort in Museum ueber Hokusai, beruehmt fuer seine Farbholzschnitte. Sein wohl beruehmtestes Werk heisst „Die grosse Welle von Kanagawa“.







Erschoepft von so vielen Bildungsspritzen und etwas durchgefroren bin ich fuer Weihnachten wieder ins (vergleichsweise warme) Tokyo gekommen.

Da JapanerInnen ja bekanntermaßen kein Weihnachten feiern haben meine Patin und ich uns fuer all die armem verlassenen gaijins (Auslaender) in dieser grossen Stadt verantwortlich gefuehlt und eine Party veranstaltet. Es war sehr nett und lustig und es gab dank der vielen Buffetspenden Berge von Essen.
Am 25. waren wir in der Oper (Beethovens Neunter, schon fast eine Nationalhymne der Japaner).
Am 26. bin ich fuer ein paar Tage nach Kyoto gefahren.

Die Zeit hat natuerlich nicht gereicht, alles anzuschauen, in Kyoto gibt es hunderte von Tempeln, Schreinen und anderen Sehenswuerdigkeiten. Gewohnt habe ich die vier Naechte in einem Youth Hostel, nur zu empfehlen: guenstig und super, um Leute aus anderen Laendern kennen zu lernen.





Mit einigen war ich in Nara (etwa eine Stunde von Kyoto entfernt). Wegen der vielen Tempel und Schreine, die immer in Parks gelegen sind, gibt es dort viele freiherumlaufende Rehe (die kleinen sind suess! wie schon bei den Affen...).


Man kann ueberall Reiskraecker kaufen und sie fuettern, weshalb sie sehr verfressen und dick sind, sie haben mich eher an stoerrische Ziegen als an grazioese Rehe erinnert. Sie haben kein bisschen Angst vor Menschen, geschweige denn Respekt. Sie knabbern alles an, was ihnen zwischen die Zaehne kommt, Finger, Maentel, Hosen etc.

Eine Ziege, verzeihung, ein Reh, besass sogar die Unverschaemtheit, mir meine Stadtplaene aus der Manteltasche zu ziehen. Als ich es bemerkte, war es schon zu spaet: sie kaute munter auf zwei DIN A 4 Seiten und hatte schon ein gutes Stueck verdrueckt.
Was sich jetzt lustig anhoert, hat mich zu dem Zeitpunkt in Panik versetzt: nicht nur, dass diese Rehe heilig sind, nein, wenn das Viech wirklich die Blaetter auffressen wuerde, waere das sicherlich sein Tod. Da meine Tierliebe sehr gross ist (und auch nicht vor Kakerlaken Halt macht, hier einen lieben Gruss an Sonja J ) wollte ich das natuerlich verhindern und versuchte verzweifelt, der dummen Ziege das Leben zu retten und ihr den Stadtplan zu entreissen. Meine Gefaehrten lachten sich natuerlich tot, wie ich, eine blonde Auslaenderin, in heller Panik und laut schreiend „It will die! It will die!“ versuchte, die Zettel wiederzubekommen. Mittlerweile hatte ich auch die Aufmeksamkeit von anderen Touristen auf mich gezogen, was fuer ein Anblick!









Aber ich darf stolz berichten, dass ich es nach einem harten Kampf schliesslich geschafft habe, Buddha wird mir hoffentlich ein zuaetzliches Lebensjahr schenken...




In Nara waren wir in dem groessten hoelzernen Gebaeude der Welt, welches einen der groessten Buddhas der Welt beherbergt (16m hoch). Er besteht aus 437 Tonnen Bronze und 130 Tonnen Gold, bei Erdbeben faellt oefters mal der Kopf herunter, also vorsicht!
In einer Saeule, die das Gebaeude stuetzt, ist ein Durchgang, etwa vierzig auf dreissig Zentimeter gross und einen Meter lang. Ueberlieferungen zufolge hat es dieselbe Groesse wie ein Nasenloch der Buddha-Statue. Kinder krabbeln durch die Oeffnung und man sagt, alle, die es schaffen, werden erleuchtet/aufgeklaert. Das wollte ich natuerlich nicht verpassen und habe es auch versucht. Es war SEHR eng und als ich mittendrinnen war dachte ich nur „Katha, das ist jetzt ECHT peinlich, wenn du stecken bleibst, du musst hier wieder rauskommen!“ So motiviert habe ich es natuerlich auch geschafft (puh!) und war echt stolz.





Ein Amerikaner, der es auch geschafft hat, hatte die glaenzende Idee, ein T-Shirt bedrucken zu lassen mit der Aufschrift „Ich passe durch Buddhas Nasenloch“ oder so aehnlich.

Einen anderen Tag habe ich in Kobe verbracht (dort sind vor zwoelf Jahren bei einem grossen Erdbeben ueber 6000 Menschen ums Leben gekommen). Viel gesehen von der Stadt habe ich nicht, aber der Hafen hat mir gefallen.

In Kyoto haben mir zwei Orte besonders gut gefallen:

In den Monkey Mountains laufen wilde Affen (naja, soo wild sind sie jetzt auch nicht mehr) herum. Die kleinen sind echt suess!








Auch Fushimi-inari-taisha war sehr schoen. Auf vier Kilometern Laenge sind 40.000 Toriis (rote Tore) aufgestellt, so dass man wie durch einen Tunnel laeuft. Ich hatte spontan entschlossen, diesen „Spaziergang“ zu machen und bin vollkommen unorganisiert dorthin. Nach etwa einer Stunde, als Abzweigungen und Landkarten auftauchten, merkte ich, dass der Weg doch etwas länger war. In meinem Reisefueherer habe ich dann nachgelesen, dass es eine Wanderung ist und man einen Tag (!) einplanen soll.

Nach einer weiteren Stunde hatte ich aus dem Irrgarten herausgefunden und nahm mir mal wieder vor, mich das naechste Mal besser zu informieren.








Obwohl ich nur vier Tage weg war, habe ich Tokyo vermisst. Es ist komisch, wie schnell einem eine Stadt wie Tokyo so schnell ans Herz wachsen kann *schnief*.
Die Tage seit meiner Rueckkehr wollte ich ganz entspannt verbringen, viel lesen und Musik hoeren. Dabei gibt es aber ein Problem: die letzten drei Monate waren so voll, ich hatte immer so viel zu tun, dass ich verlernt habe, mich selber zu beschaeftigen. Das hoert sich jetzt bloed an (es IST de facto auch ziemlich bloed), da ich jetzt wirklich etwas gelangweilt bin und mich freue, wenn die Schule wieder losgeht (gell, Saskia J ).
Soo, dass waren also meine Kurzreise durchs Land... Ich koennte noch viel mehr schreiben, aber der Beitrag ist schon so ziemlich lang...
Bis bald...

Dienstag, 2. Januar 2007

So hause ich hier...

Hallo!

Happy New Year oder „shinnen akemashite omedetou gozaimasu“ wie man hier in Japan sagt.

Nach drei Monaten in Toyko habe ich mich jetzt doch entschlossen, einen blog aufzumachen.
Ich plane nicht, weltbewegenden Gedanken oder Ereignisse hineinzuschreiben, nur was ich in Tokyo mache, mit dem einen oder anderen Foto. Im Moment habe ich Winterferien. Fuer die, die es nicht mehr wissen oder diejenigen, die zufaellig auf diesen Blog stossen: ich besuche die Naganuma-Schule (offizieller Name ist „The Tokyo School of the Japanese Language“), eine Sprachschule in Shibuya, Tokyo.
Nachdem ich im Juni mein Abitur gemacht habe und nicht wusste, was ich studieren sollte (ich hatte ueber mehrere Moeglichkeiten nachgedacht, konnte mich aber nicht entscheiden), wohne ich jetzt fuer ein Jahr bei meiner Patin, druecke taeglich fuer vier Stunden die Schulbank und lerne Japanisch. Nebenbei lerne ich natuerlich noch japanische Leute kennen und lerne mehr ueber das Land und die Kultur.
So, das war also eine kleine Einfuehrung... Von meinen Kurzreisen berichte ich spaeter, wenn ich alle Fotos beisammen habe...
Bis dahin!