Freitag, 5. Januar 2007

learning by doing: raus in die (japanische) Welt

Hallo!

So, es ist jetzt wohl an der Zeit, ein paar „Nacheintraege“ zu machen, schliesslich faengt naechste Woche wieder der Alltag an und da passiert normalerweise nichts, was einem vom Hocker reissen koennte. Nicht, dass meine Ferien vollgestopft mit nennenswerten Ereignissen waren, aber ein paar lustige Sachen sind doch passiert.

Meine ersten Ferien in Japan habe ich zum Reisen genutzt. In der Woche vor Weihnachten (auf japanglisch „kurisumasu“) war ich mit Franzi, einer Schulfreundin, in Nagano und Matsumoto.

In Nagano haben wir einen sehr schoener Tempel (einen von wahrscheinlich mehreren Tausenden) und eine Ausstellung von dem Maler Kaii Higashiyama angeschaut (ein bisschen Bildung muss schliesslich auch in den Ferien sein).

Aber das meiste ueber die japanische Kultur (und Gebraeuche) habe ich wahrscheinlich in unserem Hotel kennengelernt: da sehr preisguenstig und zentral gelegen haben wir uns in einem Businesshotel eingemietet. Das wurde mir dann auch wieder klar, als ich am ersten Abend nichtsahnend den Fernseher anschaltetet und einen wirklich heftigen Porno zu sehen bekam. Nicht, dass ich jemals Pornos gesehen haettet (ich muss das schreiben, schliesslich liest das wahrscheinlich auch meine Mutter :) ) nein, im Ernst, das war wirklich schlimm. Naja, so sind sie halt, die lieben Japaner (ich lasse hier bewusst die weibliche Form weg), im Tageslicht immer hoeflich und zurueckhaltend, aber wenn es dunkel wird – oho!


Zurueck zum Thema: In Matsumoto haben wir in einem netten Ryokan (japanisches Gaestehaus) gewohnt, mit beheizbaren Futons und Onzen und einem suessen Ehepaar, das uns total verwoehnt hat. Natuerlich durfte auch hier die Bildung nicht fehlen und wir haben eine Burg, die mit drei anderen Burgen zum japanischen Nationalschatz gehoert, besichtigt.




Ach ja, zwischendurch waren wir auch in Obuse (auch ein beruehmter Schrein) und waren dort in Museum ueber Hokusai, beruehmt fuer seine Farbholzschnitte. Sein wohl beruehmtestes Werk heisst „Die grosse Welle von Kanagawa“.







Erschoepft von so vielen Bildungsspritzen und etwas durchgefroren bin ich fuer Weihnachten wieder ins (vergleichsweise warme) Tokyo gekommen.

Da JapanerInnen ja bekanntermaßen kein Weihnachten feiern haben meine Patin und ich uns fuer all die armem verlassenen gaijins (Auslaender) in dieser grossen Stadt verantwortlich gefuehlt und eine Party veranstaltet. Es war sehr nett und lustig und es gab dank der vielen Buffetspenden Berge von Essen.
Am 25. waren wir in der Oper (Beethovens Neunter, schon fast eine Nationalhymne der Japaner).
Am 26. bin ich fuer ein paar Tage nach Kyoto gefahren.

Die Zeit hat natuerlich nicht gereicht, alles anzuschauen, in Kyoto gibt es hunderte von Tempeln, Schreinen und anderen Sehenswuerdigkeiten. Gewohnt habe ich die vier Naechte in einem Youth Hostel, nur zu empfehlen: guenstig und super, um Leute aus anderen Laendern kennen zu lernen.





Mit einigen war ich in Nara (etwa eine Stunde von Kyoto entfernt). Wegen der vielen Tempel und Schreine, die immer in Parks gelegen sind, gibt es dort viele freiherumlaufende Rehe (die kleinen sind suess! wie schon bei den Affen...).


Man kann ueberall Reiskraecker kaufen und sie fuettern, weshalb sie sehr verfressen und dick sind, sie haben mich eher an stoerrische Ziegen als an grazioese Rehe erinnert. Sie haben kein bisschen Angst vor Menschen, geschweige denn Respekt. Sie knabbern alles an, was ihnen zwischen die Zaehne kommt, Finger, Maentel, Hosen etc.

Eine Ziege, verzeihung, ein Reh, besass sogar die Unverschaemtheit, mir meine Stadtplaene aus der Manteltasche zu ziehen. Als ich es bemerkte, war es schon zu spaet: sie kaute munter auf zwei DIN A 4 Seiten und hatte schon ein gutes Stueck verdrueckt.
Was sich jetzt lustig anhoert, hat mich zu dem Zeitpunkt in Panik versetzt: nicht nur, dass diese Rehe heilig sind, nein, wenn das Viech wirklich die Blaetter auffressen wuerde, waere das sicherlich sein Tod. Da meine Tierliebe sehr gross ist (und auch nicht vor Kakerlaken Halt macht, hier einen lieben Gruss an Sonja J ) wollte ich das natuerlich verhindern und versuchte verzweifelt, der dummen Ziege das Leben zu retten und ihr den Stadtplan zu entreissen. Meine Gefaehrten lachten sich natuerlich tot, wie ich, eine blonde Auslaenderin, in heller Panik und laut schreiend „It will die! It will die!“ versuchte, die Zettel wiederzubekommen. Mittlerweile hatte ich auch die Aufmeksamkeit von anderen Touristen auf mich gezogen, was fuer ein Anblick!









Aber ich darf stolz berichten, dass ich es nach einem harten Kampf schliesslich geschafft habe, Buddha wird mir hoffentlich ein zuaetzliches Lebensjahr schenken...




In Nara waren wir in dem groessten hoelzernen Gebaeude der Welt, welches einen der groessten Buddhas der Welt beherbergt (16m hoch). Er besteht aus 437 Tonnen Bronze und 130 Tonnen Gold, bei Erdbeben faellt oefters mal der Kopf herunter, also vorsicht!
In einer Saeule, die das Gebaeude stuetzt, ist ein Durchgang, etwa vierzig auf dreissig Zentimeter gross und einen Meter lang. Ueberlieferungen zufolge hat es dieselbe Groesse wie ein Nasenloch der Buddha-Statue. Kinder krabbeln durch die Oeffnung und man sagt, alle, die es schaffen, werden erleuchtet/aufgeklaert. Das wollte ich natuerlich nicht verpassen und habe es auch versucht. Es war SEHR eng und als ich mittendrinnen war dachte ich nur „Katha, das ist jetzt ECHT peinlich, wenn du stecken bleibst, du musst hier wieder rauskommen!“ So motiviert habe ich es natuerlich auch geschafft (puh!) und war echt stolz.





Ein Amerikaner, der es auch geschafft hat, hatte die glaenzende Idee, ein T-Shirt bedrucken zu lassen mit der Aufschrift „Ich passe durch Buddhas Nasenloch“ oder so aehnlich.

Einen anderen Tag habe ich in Kobe verbracht (dort sind vor zwoelf Jahren bei einem grossen Erdbeben ueber 6000 Menschen ums Leben gekommen). Viel gesehen von der Stadt habe ich nicht, aber der Hafen hat mir gefallen.

In Kyoto haben mir zwei Orte besonders gut gefallen:

In den Monkey Mountains laufen wilde Affen (naja, soo wild sind sie jetzt auch nicht mehr) herum. Die kleinen sind echt suess!








Auch Fushimi-inari-taisha war sehr schoen. Auf vier Kilometern Laenge sind 40.000 Toriis (rote Tore) aufgestellt, so dass man wie durch einen Tunnel laeuft. Ich hatte spontan entschlossen, diesen „Spaziergang“ zu machen und bin vollkommen unorganisiert dorthin. Nach etwa einer Stunde, als Abzweigungen und Landkarten auftauchten, merkte ich, dass der Weg doch etwas länger war. In meinem Reisefueherer habe ich dann nachgelesen, dass es eine Wanderung ist und man einen Tag (!) einplanen soll.

Nach einer weiteren Stunde hatte ich aus dem Irrgarten herausgefunden und nahm mir mal wieder vor, mich das naechste Mal besser zu informieren.








Obwohl ich nur vier Tage weg war, habe ich Tokyo vermisst. Es ist komisch, wie schnell einem eine Stadt wie Tokyo so schnell ans Herz wachsen kann *schnief*.
Die Tage seit meiner Rueckkehr wollte ich ganz entspannt verbringen, viel lesen und Musik hoeren. Dabei gibt es aber ein Problem: die letzten drei Monate waren so voll, ich hatte immer so viel zu tun, dass ich verlernt habe, mich selber zu beschaeftigen. Das hoert sich jetzt bloed an (es IST de facto auch ziemlich bloed), da ich jetzt wirklich etwas gelangweilt bin und mich freue, wenn die Schule wieder losgeht (gell, Saskia J ).
Soo, dass waren also meine Kurzreise durchs Land... Ich koennte noch viel mehr schreiben, aber der Beitrag ist schon so ziemlich lang...
Bis bald...

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